Status Quo: Die formale berufliche Bildung im aktuellen System stellt Menschen mit Beeinträchtigungen wie Lernschwierigkeiten vor Hürden. Sie können aktuell ihre Qualifikationen wie ihre praktisch erworbenen Kompetenzen auf dem Allgemeinen Arbeitsmarkt oft nicht belegen.
Im November 2015 startete das Forschungsprojekt ValiKom, das standardisierte Validierungsverfahren entwickelte, mit denen Berufskompetenzen, die außerhalb des formalen Berufsbildungssystems erworben wurden (non-formal und informell erworbene Kompetenzen), in Bezug auf einen anerkannten Berufsabschluss bewertet und zertifiziert werden können.
Zielgruppe sind Menschen (Mindestalter 25 Jahre) mit beruflicher Erfahrung (1,5 fache der Ausbildungszeit im jeweiligen Beruf), die aktuell in einem Betrieb oder einer Werkstatt (WfbM) arbeiten. Beteiligt waren der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH), die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK). Gefördert wurde das Projekt vom 1.11.2018 bis zum 31.10.2024 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).
Mit »ValiKom Transfer« wurden für ausgewählte duale Ausbildungsabschlüsse bundesweit Kammerstandorte aufgebaut, an denen die neuen Validierungsverfahren durchgeführt wurden. Neben Handwerkskammern sowie Industrie- und Handelskammern sind nun auch Landwirtschaftskammern am Projekt beteiligt. Im Rahmen der Zusammenarbeit mit dem Modellprojekt TalentPASS wurde die Personengruppe der Menschen mit Beeinträchtigungen erschlossen und erste Verfahren erprobt.
Am 4.10. fand erstmals in Berlin in einer Werkstatt für Menschen mit Beeinträchtigung das ValiKom Validierungsverfahren statt - in der Stephanus-Werkstatt, Betriebsstätte Grenzbergeweg. Teilnehmende: Vier Werkstattbeschäftigte, drei Personen davon aus dem Fulfillment, eine Person arbeitet heute auf einem ausgelagerten Arbeitsplatz im Bereich Druckerei, die IHK Potsdam (Projektbegleitung und Bewerter) und die Stephanus-Stiftung (Job-Coaching). Die Bewertungsfragen hatten die Lernfelder des Ausbildungsberufs Fachlagerist als Hintergrund. Bei einem der Beschäftigten geht es nach dieser erfolgreichen Prüfung bereits um einen möglichen Übergang in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung mit Budget für Arbeit. Die ValiKom-Prüfung zeigt: in WfbMs können auch Tätigkeiten erlernt werden, die eine hohe Äquivalenz zu Tätigkeiten im allgemeinen Arbeitsmarkt haben.
Ziel des Projekts war, für insgesamt 40 Berufe aus Industrie, Handel, Handwerk und Landwirtschaft Validierungsverfahren vorzubereiten und anzubieten. Ab Januar 2025 können sich Menschen ohne Ausbildung ihre beruflichen Fähigkeiten auf Grund der neuen Gesetzgebung zertifizieren lassen. (Am 1. August 2024 ist das Berufsbildungsvalidierungs- und -digitalisierungsgesetz (BVaDiG) in Kraft getreten. Es bringt umfassende Änderungen und Erweiterungen im bestehenden Berufsbildungsgesetz (BBiG) mit sich.
Die Stephanus-Stiftung, die IHK Potsdam sowie der Bewerter stehen bei der Zertifikatsübergabe für Interviews zur Verfügung. Bei Interesse wenden Sie sich bitte an die Pressestelle der Stephanus-Stiftung. Wir schicken Ihnen gerne auch Fotos von der Zertifikatsübergabe im Nachgang zu.
Über die Stephanus-Stiftung:
Die Stephanus-Stiftung hat ihren Hauptsitz in Berlin und ist Mitglied im Diakonischen Werk Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Mit ihren gemeinnützigen Tochtergesellschaften unterstützt sie 10.000 Menschen in besonderen Lebenslagen an 140 Standorten in Berlin und Brandenburg. 4.500 Mitarbeitende pflegen, begleiten, bilden, beraten Kinder, Jugendliche, Familien, Menschen im Alter, Menschen mit Behinderung oder psychischer Erkrankung sowie Geflüchtete. Zu den Angeboten von Stephanus zählen Wohnangebote und Werkstätten für Menschen mit Beeinträchtigung, Wohn- und Pflegeangebote für Senior*innen, Schulen, Kitas, Beratungsstellen und Hospizdienste. 1878 gegründet, hat sich die Stiftung mit ihren Angeboten stets den aktuellen Bedarfen der Gesellschaft angepasst und handelt heute nach den drei Leitprinzipien Nachhaltigkeit, Inklusion und Fachlichkeit.
Im Geschäftsbereich Werkstätten verantwortet das diakonische Unternehmen Einrichtungen der beruflichen Rehabilitation für Menschen mit Behinderung oder psychischer Erkrankung. Mit Arbeits- und Beschäftigungsbereichen, beruflicher Bildung und Förderung sowie attraktiven Zusatzangeboten wird die Teilhabe von über 2.000 Menschen am Arbeitsleben und am Leben in der Gemeinschaft unterstützt. Im Geschäftsbereich Werkstätten sind rund 490 Mitarbeitende tätig.
Weitere Informationen finden Sie unter www.stephanus.org
Kontakt zur Pressestelle: Charlotte Biermann
Mail: Charlotte.Biermann@stephanus.org
Mobil: 0160 90 36 19 59
